Worauf achten vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung?
Der Anbieter einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist mit Bedacht zu wählen, da hier – im Gegensatz zu vielen anderen Versicherungen – die Allgemeinen Versicherungsbedingungen eine große Rolle spielen. Grundsätzlich haben die Versicherungen ein Verweisungsrecht im Berufsunfähigkeitsfall. Dies bedeutet, dass die Versicherung den Versicherten auf eine andere Tätigkeit verweisen kann. Diese darf zwar nicht seinen bisherigen Lebensstandard maßgeblich beeinträchtigen und muss auch im Wesentlichen seinen bisherigen beruflichen Erfahrungen und Kenntnissen entsprechen. Problematisch ist jedoch, ob der Versicherte in einem neuen Beruf eine Anstellung finden würde und ob überhaupt ein seinen sonstigen Fähigkeiten entsprechendes Berufsbild existiert. Wenn die Möglichkeit einer anderen Berufsausübung theoretisch existiert und im BU-Vertrag das Verweisungsrecht enthalten ist, kann die Versicherung die Zahlung der BU-Rente verweigern. Bei einer guten BU-Versicherung ist der Verzicht auf die abstrakte Verweisungsmöglichkeit in den Vertragsbedingungen vermerkt.
Eine weitere wichtige Bedingung ist der Prognosezeitraum, für den die voraussichtliche Berufsunfähigkeit gefordert wird. Häufig wird eine Prognose durch den Arzt über 3 Jahre gefordert, was schwierig sein kann. Gute BU-Versicherer grenzen daher diesen Zeitraum auf 6 Monate ein.
Des Weiteren sollte auf Anwendung des § 41 VVG verzichtet werden, der der Versicherung eine Kündigung des Vertrages oder das Erheben höherer Beiträge erlaubt, wenn sich herausstellt, dass schon bei Antragstellung ein erhöhtes Risiko auf Berufsunfähigkeit bestanden hat, auch wenn keine der Vertragsparteien dies wissen konnte.
Der Versicherungsschutz sollte zudem weltweit gelten (ohne temporäre Einschränkungen) und Nachversicherungsgarantien ohne erneute Gesundheitsprüfung enthalten, wenn besondere Ereignisse eintreten, durch die der bisher vereinbarte Versicherungsschutz nicht mehr ausreichend wäre. Diese Ereignisse können sein: Immobilienerwerb, Heirat, Geburt oder Volljährigkeit eines Kindes, Übergang in die berufliche Selbständigkeit oder Überschreiten der Beitragsbemessungsgrenze.
Wichtig ist zudem, in welche Risikogruppe die Versicherung den Versicherungsnehmer einstuft. Hier gibt es große Unterschiede, und es empfiehlt sich, gerade in dieser Hinsicht verschiedene Angebote einzuholen. Die Risiken für Berufsunfähigkeit werden für einzelne Berufe höchst unterschiedlich eingeschätzt und reichen von 7,3% für Ärzte bis 97,5% für den Bergarbeiter unter Tage.

Die Auswahl der individuell richtigen Berufsunfähigkeitsversicherung ist alles andere als einfach © Doc RaBe / Fotolia
